Einführung Alexander Bitzel am 21. März 2021 in der Epiphaniaskirche

Lieber Alexander Bitzel,

bis zum heutigen Tag war es dann doch eine lange Wegstrecke! Seit über einem Jahr sind wir miteinander im Kontakt auf der Suche nach einem guten Ort, nach Ihrem Ort, hier in Frankfurt. Ich freue mich, dass über den Weg der „C-Besetzung“ die Kirchenleitung Sie für die „zweite“ (die ja immer auch die „erste“ ist) Pfarrstelle hier in der Petersgemeinde vorgeschlagen und der Kirchenvorstand und der Kollege Andreas Hoffmann diesem Vorschlag freudig zugestimmt haben. Frankfurt in allen seinen Facetten fasziniert Sie, den Mannheimer. Ja, man kann neudeutsch auch sagen „triggert“ Sie an! Ich konnte Sie in den letzten Monaten als sensiblen Beobachter unterschiedlicher Kontexte in Frankfurt kennenlernen. Urbanität, ökumenische Vielfalt, diakonische und soziale Herausforderungen und die Kirchenmusik, das hat Sie hier in der Petersgemeinde angesprochen.

Heute führen wir in Ihr Amt als Pfarrer in dieser Gemeinde ein und erbitten Gottes Segen für Ihre Arbeit. Ihre Grundstimmung im Blick auf den Start hier in der Gemeinde ist vor allem positiv: Ich freue mich und habe Lust auf die Herausforderungen hier, sagten Sie gestern, gerade auch in der Kollegialität mit Andreas Hoffmann und im Team der Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen in der Gemeinde.

Für Ihre neue Aufgaben bringen Sie Wissen und Erfahrung mit:
Geboren und aufgewachsen in Mannheim, dann Studium der Ev. Theologie in Heidelberg, Münster, Dallas/Texas und einen weiteren Abschluss in Kunstgeschichte und Byzantinistik. Es folgten wissenschaftliche Arbeit in Heidelberg und Hamburg und heute wieder als Privatdozent in Heidelberg verbunden mit Promotion und Habilitation in Bereich Kirchengeschichte. Lange Zeit waren Sie dann Gemeindepfarrer in Mannheim im Teampfarramt.  

Im Zentrum des heutigen Gottesdienstes steht ein Abschnitt aus dem Buch Hiob. Wir haben ihn eben in der Lesung gehört. Er ist eine Art theologisches Programm. Er thematisiert die Gottessuche als existentielles Thema, als Grundfrage des Lebens. Sie ist gleichzeitig die Frage nach Zukunft, nach meiner Zukunft. Die in jedem Leben Angst und Sehnsucht verbindet. Es ist verfehlt in einer explizit säkular orientierten Welt jede Sehnsucht gleich als Sehnsucht nach Gott zu begreifen. Sie lautet vielmehr umgekehrt: Wie lassen sich die Themen des Glaubens, die biblische Texte, die Poesie christlicher Lieddichtungen und auch die evangelische Dogmatik als Antworten auf existentielle Frage erschließen – gewissermaßen öffnen zu Menschen hin, denen die Sprache der Kirche wie der Glauben selbst fremd geworden ist.

Alte Fragen stellen sich angesichts der Erfahrung von „Krise“, Terror, Migration und sozialer Ungleichheit heute neu. Der Alltag wird als verunsichernd erlebt, die Hoffnung in den vielen Facetten von „Sicherheit“ beschrieben. Im Glauben steht die Bedeutung von „Vertrauen“ im Mittelpunkt. Das heißt: Menschen mit dem biblischen Gott in Kontakt zu bringen und das Vertrauen auf ihn als Weg der Angstbewältigung zu stärken. Dazu gehört es, Fragen zuzulassen.

In der Begegnung mit Ihnen spürt man, die Neugier des Fragens und die Leidenschaft und die Bereitschaft, sich immer wieder mit den Antworten aus Bibel und Tradition auseinanderzusetzen. In unserer theologischen Existenz werden wir nie damit fertig. Gemeinde und Kirche ist für Sie ein Ort des Austausches über die großen Themen des Lebens, die ja nicht dadurch groß werden, dass wir ihn als Kirche Bedeutung geben, sondern die längst Bedeutung haben. Mit diesem Programm sind wir in allen Facetten Kirche in der Stadt und hier in der Petersgemeinde.

Dazu gehören Dialog und Verlässlichkeit, theologische Sprachfähigkeit und die Bereitschaft sich auf anderen und ihre Frage einzulassen. Alles dies bringen Sie mit. Martin Luther hat in seiner theologischen Rede davon gesprochen, dass die Vernunft an sich „irre“ wird, wenn sie nicht Glauben hat. Vertrauen auf Gottes Fürsorge und Leitung in meinem Leben. Ich wünsche Ihnen, dass die Kraft des Vertrauens für Sie in Ihrer neuen Aufgabe immer spürbar ist. Ich gebe Ihnen als Leitwort mit:  Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt, und ich habe euch dazu bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt (Joh 15,16).

Prodekanin Dr. Ursula Schoen

Evangelische Sankt Petersgemeinde - Evangelische Kirche in Hessen und Nassau
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